PAUL ALBERT LEITNER

“…Typisch für Leitner ist zudem eine flaneurhafte Herangehensweise: Er durchstreift langsam und mit aufmerksamem Blick seine Umgebung und hält scheinbar zufällige Details des Alltags fest.
In zahlreichen Collage-Arbeiten verarbeitet er gefundene Alltagsobjekte, Zeitungsfotos und Schlagzeilen, die er zu neuen, oft humorvoll-ironischen Bild-Text-Kompositionen arrangiert.”

 

Paul Albert Leitner, 1957 in Jenbach geboren, ist ein österreichischer Fotograf und Fotokünstler. Nach seiner Ausbildung zum Fotografen 1973-76, übersiedelte er 1984 von Tirol nach Wien, wo er seither als freischaffender Künstler lebt und arbeitet. Leitner arbeitet seit den 1980er-Jahren mit der analogen Kleinbildfarbfotografie, seit einigen Jahren ergänzt durch iPhones, hat ein umfangreiches OEuvre von über 80.000 Negativen aus aller Welt aufgebaut.

Sein Werk umfasst eine Vielzahl fotografischer Genres – von Stillleben und Architekturfotografie über Selbstporträts bis zu Stadt- und Landschaftsaufnahmen – die er gleichwertig nebeneinanderstellt. Typisch für Leitner ist zudem eine flaneurhafte Herangehensweise: Er durchstreift langsam und mit aufmerksamem Blick seine Umgebung und hält scheinbar zufällige Details des Alltags fest.
In zahlreichen Collage-Arbeiten verarbeitet er gefundene Alltagsobjekte, Zeitungsfotos und Schlagzeilen, die er zu neuen, oft humorvoll-ironischen Bild-Text-Kompositionen arrangiert.

Langjährig geübt in eben diesen Bild-Text Kombinationen, erwies sich Leitner neuerdings, laut eines Ausstellungstextes/Fotohof Salzburg, als „origineller Instagram-Kommunikator mit illustrer Gefolgschaft.“ Leitners fotografische Handschrift entwickelte sich über die Jahre. Laut der Fotohistorikerin Marie Röbl vollzog er den Schritt von anfänglich inszenierter Fotografie – mit Collagen, Übermalungen, Spiegelungen, Projektionen und Schattenspielen auf der Suche nach Selbsterkenntnis – hin zu einer eher traditionellen Straight Photography.
Dabei ist sein Schaffen stark von seinen vielen Reisen geprägt.
Tatsächlich führt Leitner gewissermaßen ein Reisetagebuch in fotografischer Form. In seinen fotografischen Reise-Episoden taucht er selbst oft als Protagonist auf: Er inszeniert sich in Selbstporträts als Kunstfigur mit betont eingenommener Pose, wofür er eigens einen „Reiseanzug“ anfertigen ließ. Diese Selbstporträts – u. a. inspiriert durch das Künstlerduo Gilbert & George – durchziehen sein Werk seit über 30 Jahren.

Generell sucht Leitner in fremden Orten weniger das Exotische, sondern vielmehr die Erkenntnis des eigenen Selbst im Fremden. Seine fotografischen Erzählungen zeichnen sich durch romantische Ironie und Selbstironie aus und bewegen sich zwischen Realität und Fiktion.

Seine analoge Arbeitsweise ist konsequent manuell und archivierend: Nach jeder Reise kehrt Leitner in sein Atelier zurück und bearbeitet die Bilder in “Innendienst”, wie er sagt. Er fertigt kleine Abzüge seiner 35‑mm-Filme an, beschriftet und betitelt diese und klebt sie auf Karteikarten – eine von ihm sogenannte “Legende”. So katalogisiert er akribisch sein gesamtes Bildarchiv, das über Jahrzehnte gewachsen.
Diese systematische Archivierung, gepaart mit einem enzyklopädischen Sammlungsdrang, erlaubt es ihm, seine Bildmotive und Funde aus dem Alltag immer wieder neu zu ordnen und zu kombinieren.
Kunst und Leben sind bei Leitner eng verwoben – viele seiner Werke speisen sich aus persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen, die er poetisch überhöht in Szene setzt.

Zahlreiche Fotobände (größtenteils in der Salzburger Fotohof Edition erschienen) dokumentieren sein Schaffen und fungieren gleichsam als fortlaufende Chronik seines Lebens in Bildern. Im Jahr 2010 wurde Paul Albert Leitner für sein Gesamtwerk mit dem Österreichischen Staatspreis
für künstlerische Fotografie ausgezeichnet. Leitners Arbeiten waren und sind international präsent. Seit 1986 hat er in zahlreichen Einzel- und
Gruppenausstellungen seine Fotografien gezeigt – von Wien, Paris und Frankfurt über New York und Dakar bis Peking, Lagos, Yazd und Teheran.

 

EINZELAUSSTELLUNGEN
AUSWAHL

2025 Camera Austria, Graz, „Paul Albert Leitner’s Photographic World (over 4 decades of obsession and more…)“

2023 Fotohof Archiv, Salzburg, „Mein Archiv wächst und ich bin 66“

2022 Galerie Rhomberg, Innsbruck, „Míxtum Compósitum (Aus meinem Archiv)“

2020 3rd Industrial Art Biennial, Kroatien, „Ride into the Sun / Ravno u sunce“ kuratiert von Gerald Matt

2019 Kitzbühel Country Club, Reith bei Kitzbühel, „Paul Leitner. Fotografien“

2018 Galerie Rhomberg, Innsbruck, „Paul Albert Leitner. Architektur, En Passant / Design, Peu à Peu“

2018 12 Star Gallery, Europa House, London, „Facing Austria“

2017 Galerie am Polylog, Wörgl

2016 Kunstraum Mitterhofer, Innichen

2015 Museum Orth, Orth an der Donau

2015 Galerie Foto Forum, Bozen, „still – Das Stillleben in der zeitgenössischen Photographie“

2015 Kitzbühel Country Club, Reith bei Kitzbühel, „Intermezzo – it’s a mix“

2014 Galerie Rhomberg, Innsbruck, „Paul Albert Leitner in UK. Photographs: London | Liverpool | Manchester“

2014 Kulturzentrum bei den Minoriten, Graz, „Christmas: A Universal Message“

2014 Galerie im Traklhaus, Salzburg, „Hier steht ein Sessel. Sessel, Stuhl, Hocker in der Kunst“

2013 Graz Museum, Graz, „Eyes on the City. Urbane Räume in der Gegenwartsfotografie“

2012 Österreichisches Kulturforum, Berlin, „Wie im Film“

2011 Galerie Rhomberg, Innsbruck, „Der Fotograf findet immer das Licht der Dämmerung und der Nacht“

2010 Da Feng Art Gallery, 798 Art District, Peking, China

2010 The Austrian Cultural Forum, New York, (Kat.21), „Positions“

2008 Galerie Rhomberg, Innsbruck, „Ort, Zeit und Peripherie“

2008 Faculty of Art and Architecture, Yazd, Iran

2008 City Hall / Magnolia Hall, Lagos, Nigeria, „Vienna. City Views from Inside“

2008 Goethe Institut, Bangkok

2008 Kunstraum Mitterhofer, Innichen, „Österreich“

2008 Foto Kunst Stadtforum, Innsbruck, „Die Welt sehen“

2007 Kunsthalle Wien, „Porträts von Künstlern und anderen Personen, Selbstporträts und Natur“

2007 Galerie Steinek, Wien, „Love, Death + Passion“

2006 Galerie Rhomberg, Innsbruck, „Recent Photographs“

2006 Centro Cultural Recoleta, Buenos Aires, Argentinien, „Labyrinthe und Träume“

2006 Galerie Foto-Forum, Bozen

2005 Galerie Steinek, Wien, „Städte, Episoden; Fotografien“

2004 Galerie Rhomberg, Innsbruck, „Das Gewicht des Schattens“

2001 Fotohof, Salzburg, „New York – Senegal“

2001 Kunsthalle Wien, „Tiere“

2000 Galerie Rhomberg, Innsbruck, „Kunst und Leben. Ein Roman“

2000 Magazin 4, Bregenz, „Kunst und Leben. Ein Roman“

1999 Kunsthalle Wien, „Kunst und Leben. Ein Roman“

1995 Galerie Faber, Wien, „Totes Leben. Stilllebenvariationen“

1992 Fotohof, Salzburg, „Exkurs über das Reisen“

1990 Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main, „Weltverwirrung“

1989 Österreichisches Fotoarchiv, Museum Moderner Kunst, Wien, „Weltverwirrung“

1988 Wiener Secession, Wien, „Blauer Zufall am Horizont“

1986 Fotohof, Salzburg

 

AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN
AUSWAHL

2025 Galerie Rhomberg, Innsbruck, „still alive – Aus einem Munde“

2022 Österreichisches Kulturforum, Berlin, „Two Sophisticated Austrian Artists in Self-Portraits“, kuratiert von Georg Weckwerth

2017 Salzburg Museum, Salzburg, „Österreich Bilder – Facing Austria“

2016 Postamt, Wien, AWAY Residency Projekt, „Stories from abroad“

2015 Galerie Foto Forum, Bozen, „still. Das Stillleben in der zeitgenössischen Fotografie“

2015 Fotohof archiv, Salzburg, Paul Albert Leitner und Doug Stewart.

2014 FLUSS-NÖ, Schloss Wolkersdorf, Niederösterreich, „Buchstaben, Worte, Texte in fotografischen Bildern“

2014 MuseumsQuartier, Wien, „Connecting Sound Etc. Cable Works, Cable Sounds, Cables Everywhere“

2014 Galerie im Traklhaus, Salzburg, „Hier steht ein Sessel…“

2013 21er Haus, Wien, Fotos, „Österreichische Fotografien von den 1930ern bis heute“

2013 Graz Museum, Graz, „Eyes on the City. Urbane Räume in der Gegenwartsfotografie“

2013 Innsbruck International, Innsbruck, Biennale für zeitgenössische Kunst

2013 Stadtmuseum, Bruneck, „fernsicht | lontananze (Reiserouten Tirol – Trentino 1800 – heute)“

2012 Foto Kunst Stadtforum, Innsbruck, „Ansichten an sich“

2010 Austrian Cultural Forum, „New York, Serbia – Frequently Asked Questions“

2010 Kunsthalle Wien, „Detroit“

2005 Fotomuseum Winterthur

2005 Museo de Arte Contemporánea (MARCO), Vigo, „La patria está a la vuelta de la esquina – Fotografía contemporánea de Austria“

2003 Kunsthalle Wien, „Go Johnny Go!“ kuratiert von Wolfgang Kos und Thomas Mießgang

2000 Museum auf Abruf (MUSA), Wien, „Eigensinn und Eigensicht. Selbstporträts von Wiener Künstlern“

1997 Kunsthalle Wien, „Alpenblick. Die zeitgenössische Kunst und das Alpine“

1996 Centre National de la Photographie, Paris, Antagonismes. 30 ans de la photographie autrichienne,

1996 Fotogalerie Wien, „Anderswo II“

1995 Kunsthalle Krems, „Fisch und Fleisch. Photographie aus Österreich 1945-1995“

1995 Fotogalerie Wien, „Robert Jelinek und Paul Albert Leitner“

1993 Taxispalais Kunsthalle Tirol, Innsbruck & Städtische Galerie, Lienz, „KM 572“

1991 Galerie Fotohof, Salzburg, „Young Austrian Photographers – Punctum“

1987 Galerie Johannes Faber, Wien,“ Photographische Imagerie“

1985 Museum Moderner Kunst, „Vier Wege“

 

PUBLIKATIONEN

2008 Text von Thomas Miessgang. Fotohof, Salzburg, Edition ISBN 978-3-902675-02-6

2006 Wien: Momente einer Stadt. Fotografien. Fotohof, Salzburg, Edition ISBN 978-3-901756-66-5

2005 Städte, Episoden. Fotohof, Salzburg, Edition ISBN 3-901756-50-7[13]

1999 Kunst und Leben. Ein Roman. Fotohof, Salzburg, Edition ISBN 978-3-901756-15-3

1996 Bild und Abbild des jeweils anderen. Gemeinsam mit Georg Salner. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck

1989 Weltverwirrung, Österreichischen Fotoarchiv im Museum moderner Kunst, Wien

1987 Blauer Zufall am Horizont. Text von Otto Hochreiter. Ariadne Verlag, Wien

1983 Die Reise zum Heiligen Sebastian. Texte von Peter Weiermair, Wolfgang Fetz und Gerald Matt. Sonderzahl Verlag, Wien

 

PREISE

2010 Österreichischer Kunstpreis für Fotografie

1995 Rupertinum Fotopreis

1988 Förderungspreis für Fotografie

ARBEITSSTIPENDIEN

2003 Auslandsstipendium des Bundes für Fotografie, Atelier New York

2002 Großes Kunststipendium des Landes Tirol

1997 Auslandsstipendium für Paris

1988 Auslandsstipendium für Rom

1986 Staatsstipendium für Fotografie

 

 

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