
Was macht Meeses Werk aus? Jonathan Mees, 1970 in Tokyo geboren, in Deutschland aufgewachsen, stellt nach seinem Studium bei der Berlin-Biennale aus.
Der Regisseur Leander Haußmann lädt ihn ein, für den Film Sonnenallee eine Kulisse herzustellen.
Schließlich erhielt er auch eine Rolle in dem Film und spielt: einen verrückten Künstler!
Hier zeigt sich erstmals die opernaffine Prägung von Jonathan Meese, nämlich ein Hang zur übersteigerten Theatralik.
Seine Kunstwerke sind Konglomerate verschiedener Techniken der Kunst und diversen Gattungen (Malerei, Video, Installation, Performance, Druck, Soundprojekte) die ohne Rücksicht auf Ordnung und ohne jede Syntax kombiniert werden. Darin entspricht sein Oeuvre dem Operngenre, nämlich in seiner Auffassung als Gesamtkunstwerk. Und auch ein Hauch von Romantizismus, denn die verträumte Idee des Gesamtkunstwerks prägt speziell bei Wagner die Oper. Und nicht zuletzt ist Meese selbst die Diva auf der Opernbühne.
Seine Inszenierung ist Kunst und Kunstwerk, egal ob er grüßend mit dem Hitlergruß auftritt (wurde freigesprochen, denn es galt als erwiesen, dass diese Geste als Verspottung diente denn als Identifikation) oder die Beziehung mit Mama, eine Mutter-Sohn Beziehung, die kaum mehr inszeniert und überhöht werden kann, also möglicherweise per se als Kunstwerk gedacht ist.
Er lässt sich nackt mit Dollarscheinen bekleben, tritt als Jesus Christus auf und dann gibt es da noch die schwarze Adidasjacke, die fast schon zur Uniform geworden ist.
Harald Falckenberg, Leiter der Falckenbersammlung bezeichnet Meese als Narren: weil der die Dinge in Frage stelle und dies hätte eine reinigende Funktion.
Bereits 2006 wurde der Künstler vom Wirtschaftsmagazin Capital erstmals zu den 100 meistbedeuteten Künstlern gezählt, 2013 zu den meistbedeuteten lebenden Künstlern, 2017 hält er sich immer noch unter den 100 wertvollsten Künstlern und endlich kann er in diesem Jahr auch seine Parzivalgeschichte im Rahmen der Wiener Festwochen als die vielumjubelte Musikproduktion „Mondparzival“ umsetzten.
Meese glaubt an die Oper, er glaubt an ihre Kraft und hält sie auch für ein Instrument des Zeitgenössischen: Wagner sei “kein durchdemokratisiertes Unterhaltungsprogramm” und auch kein “ideologisches Weichspülprogramm”.
Oder wie im Text für die Ankündigung dieser Ausstellung zitiert ist:
„Man muss die Oper als Handlanger von politischen Systemen beenden. Die Oper muss sich wieder einmal radikalisieren! Bayreuth ist ja tot.
Das Programm bis 2020 ist ja ein Todesurteil für den Laden.”
Ein Grundsatz der generell für lahmende Systeme geltend zu machen ist, Belebung, Fortschritt bis hin zur –Radikalisierung.
Dieser Zyklus von 2015 besitzt eine relativ niedrige Auflage, die Blätter basieren auf Entwürfen für den Wagnerzyklus in Bayreuth von Max Brückner aus dem 19. Jhdt. und beinhalten Ideen, die zu Bühnenentwürfen geworden sind. Mit in der Ausstellung sind auch 2 Holzschnitte von 2008. Alle Arbeiten zeigen klassische Drucktechniken (Aquatinta, Holzschnitt, Kaltnadelradierungen, Fotogravuren). Diese setzen nicht nur höchstes Können voraus, sondern besitzen auch hohe künstlerische Bedeutung, da sie die subjektive Persönlichkeit des Künstlers und dessen Expression mitteilen. Es verlangt vom Künstler ein vorausdenkendes Arbeiten und viel Intuition, auch der Kraftaufwand spielt bei der Bearbeitung der Platten, die entweder aus Holz, Kupfer oder anderen Metallen sind, eine große Rolle.
Seit Albrecht Dürer ist die Drucktechnik das wichtigste Medium zur Verbreitung von Bildprogrammen.

