Zeichungen und Arbeiten auf Papier 2018
05/05/2018
22/06/2018

Zeichungen & Arbeiten auf Papier

Galerie Rhomberg / Innsbruck
Clemens Rhomberg

Artur Nikodem, August Stimpfl, Dietmar Kainrath, Erich Torggler, Alfons Walde, George Grosz, Hermann Nitsch, Hans Peter Petri, Michael Ziegler, Norbert Pümpel, Oswald Kollreider, Paul Flora, Bernhard Aichner, Andy Warhol, Reiner Schiestl

 

Die Zeichnung selbst ist der erste künstlerische Ausdruck des Menschen und wurde vor allem in der Zeit der Renaissance zu einem wichtigen Medium. In dieser Zeit kam es zu einer Veränderung des Menschenbildes in der Kunst. Besonders die italienischen und deutschen Künstler wie Michelangelo, da Vinci, Albrecht Dürer und Lucas Cranach beschäftigten sich mit wissenschaftlichen (anatomischen und architektonischen) Studien. Sie widmeten sich intensiv dem erklärenden zeichnen/ der erklärenden Zeichnungen als Erkenntnisprozess.
Die Zeichnung blieb auch in den darauffolgenden Kunstströmungen ein wichtiges Mittel, nicht nur als Skizze, sondern auch als eigenständige Kunstform.

Die Ausstellung „Zeichnungen und Arbeiten auf Papier“ zeigt vor allem Tiroler Positionen. Zu sehen sind nicht nur verschiedene Arbeitsweisen auf dem Papier, wie Bleistift, Kohle, Asphaltlack, Tusche oder Acryl, sondern auch unterschiedliche Thematiken und Gattungen.
Die ältere Generation von Künstlern ist dabei vor allem durch Landschaftsmalerei vertreten. Zu einem durch die Skizzenhaften Zeichnungen von Artur Nikodem (1870-1940), dessen Schaffen wichtiger Bestandteil der Tiroler Moderne der Zwischenkriegszeit ist. Seine Arbeiten sind vor allem geprägt von der Auseinandersetzung mit den neuen Strömungen der Münchner Szene und den Traditionen der Tiroler Landschaftsmalerei. Von Erich Torggler (1899-1938) sind sowohl Tiroler Landschaften als auch Figürliche Arbeiten zu sehen. Reiner Schiestl (1939) ist vertreten durch eine Bleistiftzeichnung von Toledo. Der Künstler, der Zeit seines Lebens sehr viel gereist ist, fand in der Landschaftsmalerei, vor allem im Aquarell, eine Konstante, und eine Art seine Reisen zu dokumentieren.

Von Walter Honeder (1906-2006) sind drei Landschafts- bzw. Stadtansichten zu sehen. Honeder war als Grafiker sowie Maler von Landschaften und Porträts tätig. Er schuf zahlreiche Wandbilder, Sgraffiti und Mosaiken, insbesondere an öffentlichen Bauten. In seinen Werken verband Honeder Aspekte des Wiener Expressionismus und Einflüsse des französischen Fauvismus mit Elementen der Tiroler Volkskunst.

Ein weiterer Block der Ausstellung besteht aus figurativen Zeichnungen. Der deutsch-amerikanische Künstler George Grosz (1893-1959) ist als einer der wenigen „Nicht-Tiroler“ in der Ausstellung zu sehen. Grosz ist vor allem bekannt durch Werke die der Neuen Sachlichkeit zugerechnet werden, und sozial-und gesellschaftskritischen Gemälde und Zeichnungen. Typische Sujets sind die Großstadt, ihre Abseitigkeiten (Mord, Perversion, Gewalt) sowie die Klassengegensätze, die sich in ihr zeigen. In seinen Werken, oft Karikaturen, verspottet er die herrschenden Kreise der Weimarer Republik, greift soziale Gegensätze auf und kritisiert insbesondere Wirtschaft, Politik, Militär und Klerus. Aber auch Aktstudien gehören zu seinem großen Oeuvre.

Mit Paul Flora (1922-2009) ist wohl einer der bekanntesten Tiroler Positionen. Er war ein Karikaturist, Zeichner, Illustrator und Grafiker. Mit dem Motiv des Raben wurde Flora weltberühmt. Überhaupt sind seine Werke geprägt von einem Hang zum Makabren und Bizarren. Hexen und geheimnisvolle Tiere geistern durch seine Bilder, vielen seiner Zeichnungen haftet schwarzer Humor an. Aber auch die Karikatur, nicht nur für die Zeitungen für die er arbeitete, war ein wichtiger Bestandteil seines Werkes.

Skizzenhafte Figuren zeigen uns die Werke von Oswald Kollreider (1922-2017). Er wurde anfangs als Kopist von Egger-Lienz Bilder bekannt, baut jedoch ab den 1940er Jahren sein eigenständiges Oeuvre aus bekam erste Ausstellungen.
August Stimpfl (1924-2010) der an der Akademie der bildenden Künste in Wien studierte, beschäftigt sich vor allem mit dem menschlichen Körper und Abbild der Frau. Die in der Ausstellung zu sehenden Arbeiten aus Tusche auf Papier gehen jedoch ins Abstrakte über. Die Arbeit mit dem Titel „Großvater“ lässt uns noch schemenhaft einen Kopf erkennen. Die zweite Arbeit ohne Titel scheint komplett in die Abstraktion übergegangen zu sein.

Die zierlichen Zeichnungen des zeitgenössischen Tiroler Künstlers Michael Ziegler (1960) bilden einen Bogen zu denen des Künstlers Andy Warhol (1928-1987). Der Amerikaner ist vor allem durch seine Werke der Pop Art bekannt (die er als Mitbegründer auch maßgeblich beeinflusste). Jedoch gibt es auch, vor allem vor den 1960er Jahren bevor Warhol den Siebdruck für sich entdeckte, zahlreiche Zeichnungen des Künstlers.
Bernhard Aichner (1972) bildet die jüngste Position in der Ausstellung. Sein Frauenkörper zeigt den Hauptcharakter seiner Totenfrau-Trilogie, Brünhilde Blum.

Den letzten Block in der Ausstellung bildet die abstrakte Malerei. Die Motive von Sepp Schwarz (1917-2013) Arbeiten wandeln zwischen figürlichen und abstrakten Formen. Er war ein Autodidakt und gewann Zeit seines Lebens mehrfach die österreichischen Grafikwettbewerbe.
Hans Peter Petri (1979) kommt eigentlich aus der Architektur und begann 2009 autodidaktisch zu Zeichnen. Parallel zum Zeichnen recherchierte Petri auf der Suche nach Strukturen in der Natur, Botanik, Unterwasserwelt, Mikroorganismen, Eisbergen, Kristallen und in der Nanotechnologie. Diese organischen Formen lässt der Künstler gerne in seine Zeichnungen einfließen.

 

 

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