Werke von 1961-1996
02/11/2019
06/12/2019

Karl Bohrmann / Werke von 1961-1996 und Lukas Walcher / Das Mysterium des Weiblichen

Kitzbühel / Country Club
Clemens Rhomberg

Der deutsche Künstler Karl Bohrmann (1928-1998) hinterließ ein umfangreiches zeichnerisches Werk.

Themen wie Akt, Stillleben, Interieur und Landschaft nimmt der Künstler immer wieder auf, um sie neu zu variieren. Er bewegt sich dabei immer zwischen reduzierten Figuren und kompletter Abstraktion. Immer wieder aufs Neue verändert Bohrmann das an sich Gleiche. Und doch bleibt jedes einzelne Blatt einmalig.

Bohrmann zarte und fragile Zeichnungen und Collagen halten am bewegten Bild fest, an der Zeitlosigkeit des Augenblicks. Der Raum scheint dabei immer ein wichtiges Stilmittel zu sein. Mit nur wenigen kraftvollen, linearen Setzungen schafft es Bohrmann, seine weiblichen Akte in einen Raum zu betten: “der Raum ist der Mantel, den ich ihr Umlegen möchte”. Bei keinem anderen Sujet hat der Künstler die Komplexität des Verhältnisses von Motiv und Raum vielseitiger gezeigt, wie mit seinen Aktzeichnungen.

Wie wichtig die Räumlichkeit für Karl Bohrmann war, spiegelt sich auch in seinen Collagen wider.
Hier ist ein wahres Spiel zwischen Materialität und Beschaffenheit. Es waren häufig bereits anderweitig gebrauchte, zufällig geknickte, unregelmäßig eingerissene, perforierte und oft beschriebene Fetzen oder Bögen, auch Kontorbuchseiten und Katasterpapiere mit gedruckten Linien und Markierungen, die für die Collagen zum Einsatz kamen.
Mit spielerischer Leichtigkeit machte sich Bohrmann die Materialien zu eigen und transformierte sie zu Berge, Himmel, Bäume und abstrahierte Landschaften. Wie von seinem Lehrer, und bedeutender Künstler der deutschen Moderne, Willi Baumeister angeregt, ließ er sich auch von der Zufälligkeit seiner Materialien führen.

In der Serie der roten Bäume kombiniert Bohrmann in Collagen leuchtend rotes Chinapapier mit Zeichnungen in roter Ölkreide. Er spielt mit verschiedenen Bildausschnitten, die für den Betrachter verschiedene Assoziationen wecken: einzelne Bäume in der Ferne, Baumgruppen an den Bildrand gedrängt oder radikale Baumkronen, die an den Vordergrund gedrängt werden. Es sind letztlich innere Landschaften, um die es Bohrmann in seinen sehr zarten und dennoch bestimmten Bildwelten geht.
In schriftlichen Notizen kommentierte und hinterfragte Karl Bohrmann immer wieder seine künstlerische Position. Diese Gedanken sind, ebenso wie seine Zeichnungen, von überraschender Einfachheit und Komplexität zugleich.

 

„Ein Meister zeigt nicht, was er kann, sondern sein Zeichen ist der Punkt, wo er ansetzt, und der Punkt, wo er abbricht. Also zeigt er eher, was er nicht tut, als das was er beherrscht. Insofern wird die Zeichnung eines Meisters auch eher aussehen wie die eines Anfängers, wird zögernd sein, voller Herzklopfen, infolge der Tollkühnheit des Flugversuchs. Nicht das, was er füllt, macht sein Können aus, sondern was er offenläßt, öffnet.“

– Karl Bohrmann

 

1977 durfte Karl Bohrmann seine Arbeiten auf der documenta 6 in Kassel zeigen, 1980 bekam er eine Einzelausstellung in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München, 1997 und 2006 in der Neuen Pinakothek. Es folgten noch zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.
Seine Arbeiten sind auch in unzähligen öffentlichen Sammlungen vertreten, wie z.B.: die Graphische Sammlung der Uffizien in Florenz, das Städelsches Kunstinstitut in Frankfurt am Main, die Staatliche Graphische Sammlung in München, das Museum of Modern Art in New York oder auch in der National Gallery of Art in Washington, um nur einige wenige zu nennen.

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