Türme und Wolken | Zeichnungen
27/09/2014
31/10/2014

Türme und Wolken | Zeichnungen

Galerie Rhomberg / Innsbruck
Clemens Rhomberg

Mit der Schau „Türme und Wolken“ des Tiroler Architekten und Künstlers Hans Peter Petri kehrt die Galerie Rhomberg aus der Sommerpause zurück.
Gezeigt werden grafische Arbeiten auf Papier und Leinwand.

 

Der österreichische Autor und Journalist Markus Mittringer über den Künstler und sein Werk:

Was genau Hans Peter Petri angelegt hat, ist nicht zu klären. Tatsache ist, dass Varianten davon in veritablen Mengen vorliegen, dass da nicht ein Konzept erstellt wurde, und seiner Ausfertigung je nach Bedarf harrt – oder dem Verworfen-Werden angesichts einer Nicht-Rentabilität – da liegt ein „Mehr“ vor uns; eine Ansammlung gestreckter Querformate als Ergebnis eines bildgebenden Verfahrens mit herkömmlichen Fine-Linern.
Erste Assoziationen lassen sich in Typen ordnen: man findet architektur-, organ-, pflanzen- oder wolkenartige Strukturen. In jedem Fall aber dreidimensionale Gebilde, die in einen nicht weiter ausgeführten Raum vorstoßen, bzw. isoliert von ihrem möglichen Habitat veranschaulicht werden. Dichte Packungen sind das, komplex verästelte Einheiten.
Man könnte aber auch meinen, dem letztlich doch immer begrenzten “Denken” wurde ein Kontrastmittel gespritzt.
Je nach Wahl des Typs bzw. der aufdringlichsten Assoziation finden sich Wege, Petris Strukturen zu begegnen. Die Hermetik der Körper unbenannten Aggregatzustandes schließt ein Eindringen zunächst aus. Ein archäologisches Kratzen an deren Oberfläche verspräche unter jeder abgetragenen Schicht ja doch nur die nächste. Zielführender sollte da schon ein Umkreisen sein, das Einnehmen einer Umlaufbahn; und in Folge vielleicht eine schrittweise Verengung des Orbits.
(Die Wahl der speziellen Entknüpftechnik bleibt wie immer dem Betrachter überlassen.)

Klar ist, dass sich bei einer Untersuchung der Funktionseinheiten hinsichtlich deren architektonischen Charakters ebenso die “Wohnmaschine” als auch der “Turm” als Diagnose anbieten. Bei letzterem liegen dann Visionäres wie “höher hinaus” und damit die halbe (Kunst-)Geschichte als Erreger nahe. Zwischendurch darf dann auch über “Unmöglichkeiten” gestolpert werden, über Sehirritationen ganz im Sinne M.C. Eschers.
Von der Botanik herkommend, lassen sich Baumkronen ausmachen. Andere Blätter Petris verweisen auf innere Organe, auf Nieren oder Lebern, die plangemäß wachsen oder geschwulstartig wuchern. Und dann sind es wieder Wolken, diese Wechselbälger unbestimmter Dichte.
Oder sieht man hier doch das “Denken” festgehalten in einer Art von höherem Organigramm? Oder wurden da sämtliche mögliche Querverweise innerhalb der Enzyclopedia Britannica gezogen, und die aller-auffälligsten Knotenpunkte markiert, die Häufungen im Wissenshaufen? Und von da sind es nur wenige Gedankensprünge zu einer Simulation von “Big Data”.
Hans Peter Petri legt seine Blätter “möglichst ohne kritisches Eingreifen” an. Im Sinne der Surrealisten und ihrer “écriture automatique” wären die Ballungen dann Entladungen, psychomotorische Momentaufnahmen, eben “Denkdiktate ohne jede Kontrolle der Vernunft.” (André Breton)
Und klar kann man jetzt Bau und Wachstum von Kristallen ebenso bemühen, wie die Kunstgeschichte, um den Orbit um Petris Einheiten enger anzulegen, könnte Cézannes Heuhaufen ebenso ins Spiel bringen, wie die Hügel und Türme des Zeichners Othmar Zechyr. Visionäre Architekturen von Lebbeus Woods bis Raimund Abraham böten sich genauso zum Vergleich an, wie … aber wozu?
Egal welches Modell der Betrachtung, Petris Blätter haben mit höherer Auflösung zu tun. Das jetzt digital als Handzeichnung im RAW-Format zu deuten, oder auf die Psyche abzielend als Ausweis von Manie bleibt jedem selbst überlassen. Wer Geborgenheit in der Petri-Cloud sucht, kann die geballten Strukturen ja als Kolonie deuten – und sich selbst als vollständig assimiliert. (mm)

 

 

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