PILS MIT Z
26/05/2026
17/07/2026

Galerie Rhomberg / Innsbruck
Clemens Rhomberg

Endlich ein Tischfußballspiel, bei dem alle gewinnen… oder verlieren.
Jeden Donnerstags während der Ausstellungszeit gibt’s Getränke: regelmäßige Zusammenkunft als soziales Format.
Wer genug hat, kann sich in einen Raum voll leuchtender Pilze zurückziehen.
Und wer weiß, was es sonst noch zu entdecken gibt

 

Eröffnungsrede von Barbara Unterthurner – Freie Kulturjournalistin und Leitung Publikationsmanagment Tiroler Landesmuseen

 

Ein einzelner Buchstabe genügt, und die Ordnung beginnt zu rutschen.

Auch in Matthias Krinzingers neuer Ausstellung in der Innsbrucker Galerie Rhomberg, „Pils mit Z“: Das klingt nach Tippfehler, Kalauer, Warnsignal oder Einladung. Man liest, stockt, liest noch einmal – und ist schon mitten in Matthias Krinzingers Kunst angekommen. Denn bei ihm sind es oft die kleinen Verschiebungen, die große Wirkung entfalten. Ein Buchstabe, eine Geste, ein Objekt am falschen Ort: Mehr braucht es manchmal nicht, damit das Vertraute plötzlich fragwürdig wird.

Krinzinger arbeitet mit Dingen, die schon da sind. Mit Fundstücken, Alltagsobjekten, Bildern, Möbeln, Spielen, Erinnerungen und kulturellen Restbeständen. Er nimmt sie nicht aus der Welt heraus, sondern schiebt sie ein wenig zur Seite. Gerade genug, damit man sie anders sieht. So wird Flohmarktkunst zur optimalen Ausgangslage, ein Gebrauchsgegenstand zum Kunstobjekt, ein Spiel zum sozialen Modell, eine Sammlung zum offenen Denkraum.
Diese Kunst lebt vom Aneignen, Umcodieren und Weiterschreiben. Nostalgische Porträts („Weinende Kinder“, ab 2016) bekommen eine Zigarette in den Mund. In einer anderen Serie werden Landschaften durch Abnahme von Firnis und Schmutz atmosphärisch neu markiert. Kunsthistorische Ikonen und zeitgenössische Positionen tauchen als Material auf, nicht als ehrfürchtiges Zitat – etwa in:
„Selbstbildnis mit verbundenem Ohr und Pfeife (dedicated to Vincent)“, 2023.

Krinzinger interessiert sich weniger für das fertige Bild als für den Moment, in dem seine Gewissheit kippt. Was bleibt, wenn ein Motiv aus seiner alten Ordnung fällt? Was passiert, wenn das scheinbar Nebensächliche plötzlich den Ton angibt?
Zentral ist dabei das Sammeln als künstlerischer Akt.

Bei Krinzinger ist Sammlung kein Archiv im klassischen Sinn, sondern ein lebendiges Beziehungsgeflecht. Dinge treten zueinander, bilden Serien, Nachbarschaften, Wahlverwandtschaften. Kuratorin Véronique Abpurg (Horten Collection) spricht im Hinblick auf Matthias Krinzingers Ausstellung „Du bis Ich – Die Sammlung Krinzinger“ in der Innsbrucker Plattform 6020 vom „System Krinzinger“: einem offenen Netzwerk aus Fundstücken, Kunstwerken, Gebrauchsobjekten, Erinnerungen, Freund*innenschaften und Situationen.
Kein abgeschlossenes Ordnungssystem, sondern eines in Bewegung.

In Pils mit Z verdichten sich diese Interessen. Die „Magic Mushrooms“ (2025, entstanden in Zusammenarbeit mit Bernd Weinmayr) verbinden Naturform, technisches Spielzeug und popkulturelle Erinnerung. Plasmalampen werden zu leuchtenden Pilzformationen – irgendwo zwischen Jugendzimmer, Labor, 80er-Kitsch und Kunst. Aber auch das Spiel ist bei Krinzinger nie bloß Spielerei. Es ist Regelwerk, Versuchsanordnung, Beteiligungsmodell. Man kann gewinnen, verlieren, mitmachen, zusehen – und merkt doch, dass es längst nicht mehr nur ums Spielen geht.
Der Galerieraum wird auch in der zweiten Ausstellung von Krinzinger bei Rhomberg dabei selbst zur Versuchsanordnung. Bar, Teppich, Möbel, Objekte und Bilder greifen ineinander; Ausstellung, Treffpunkt und Gebrauchssituation überlagern sich. Kunst und Design, Ernst und Witz, Werk und Ware geraten in Bewegung.
Krinzingers Humor ist dabei keine Pointe, die sich rasch erledigt, sondern Methode: Er macht Kategorien bewusst porös.

So zeigt „Pils mit Z“ eine Kunst der kleinen Eingriffe und großen Verschiebungen. Matthias Krinzinger arbeitet mit dem, was vorhanden ist – und bringt es aus der Spur. Nicht laut, nicht pathetisch, aber präzise.
Seine Arbeiten laden dazu ein, genauer hinzusehen: auf die Dinge, ihre Herkunft, ihre Regeln und auf jene Momente, in denen ein Buchstabe, eine Geste oder ein Spiel genügt, um die Wahrnehmung neu zu ordnen.

 

 

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