ÜBERTRAGEN
07/09/2026
31/10/2026

Galerie Rhomberg / Innsbruck
Clemens Rhomberg

VERNISSAGE: FREITAG 04.09.2026 UM 18.00

Zur Ausstellungseröffnung spricht Sabine Gamper
Kuratorin, Kunsthistorikerin, Autorin, Consultant

 

Die Schnittstelle zwischen paläontologischer Forschung und gesellschaftlicher Projektion steht im Mittelpunkt der Ausstellung „über tragen“. Kernstück der Schau ist das mysteriöse kambrische Urzeittier Hallucigenia, dessen kulturelle Metamorphose der Künstler seit 1986 intensiv begleitet und gestalterisch erforscht. Neben einer Auswahl an skulpturalen Skizzen und sequentiellen Zeichnungen, präsentiert die Ausstellung eine Glas-Plasma-Skulpturen des fossilen Wesens.

 

Vom wissenschaftlichen Rätsel zum Popkultur-Phänomen

Als der Paläobiologe Simon Conway Morris das bizarre Wesen aus dem Burgess-Shale-Fossilienlager 1977 taufte und zeichnerisch rekonstruierte, existierte Hallucigenia zunächst nur in Fachkreisen. Die damalige Annahme, das Tier habe sich auf Stacheln fortbewegt, faszinierte den Künstler so nachhaltig, dass er 1986 die vermutlich weltweit erste dreidimensionale Modell-Skulptur des Wesens schuf.
Da verlässliche Informationen über das tatsächliche Aussehen des Urzeittieres lange fehlten, entwickelte sich Hallucigenia außerhalb der Labore schnell zum Projektionsfläche. Wissenschafts-Laien und die Populärkultur füllten die Leerstellen mit bekannten Mustern: Das Wesen wurde visuell mit Elementen von Tieren, Drachen, Einhörnern oder Aliens besetzt. Diese populärwissenschaftlichen Mythen spiegelten sich im Laufe der Jahre sogar in der Wissenschaft wider. Heute schließt sich der Kreis in der globalen Popkultur: Im Jahr 2021 fand Hallucigenia Einzug in den weltbekannten Manga- und Anime-Erfolg „Attack on Titan“ – dort symbolisch aufgeladen als „Quelle allen organischen Lebens“.

Die Metamorphose des Unbekannten

Die Ausstellung wirft die Frage auf, inwieweit der Mensch das Unbekannte nutzt, um sich selbst darin auszudrücken und einer Leere eine Gestalt zu geben. Die in „über tragen“ gezeigte Glas-Plasma-Arbeit visualisiert dieses Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Fakt und mythologischer Projektion. Begleitend veranschaulichen weitere Exponate die komplexen, Prozesse von der ersten gedanklichen Notation bis hin zur Skulptur.

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