In UK
Nach einem Aufenthalt als Artist in Residence im Londoner East End 2013 und Visiten in Liverpool und Manchester kehrte Fotokünstler Paul Albert Leitner mit Übergepäck (am Heathrow Airport mit dem Etiketten Aufkleber „heavy“ vermerkt) zurück.
Die Galerie Rhomberg präsentiert das Ergebnis dieser Reise.
„London is where people go in order to come back from it sadder and wiser.“
– Martin Amis, The Rachel papers, 1973
Voll mit Inspirationen, einem breiten Motivfundus, Papier- und Fundstücken, nostalgischen Einflüssen der 60s, 70s, 80s und der englischen Variante der Pop Art sowie Notate eines obsessiven Künstlerlebens beladen, beginnt Leitner in eine neue Werkphase mit Collagen und Oil Pastel Arbeiten.
„Die Selbstporträts stehen formal konträr zum fotografischen Programm des Künstlers, das er an den jeweiligen Orten seines Aufenthalts geradezu manisch zu verfolgen scheint. Mit einem neugierig-offenen und unverstellten Blick – wie er dem Flaneur eigen ist – auf die Erscheinungen des Alltags und eben oftmals ohne großes inszenierendes Zutun hält er an allen Ecken und Enden der Welt in dem Wissen um die Vergänglichkeit, die allen Dingen eignet, aus einer unmittelbar empfundenen Notwendigkeit heraus mit dem Fotoapparat Ephemeres bis Bedeutendes fest.
Im Editieren seiner Bilder für seine Künstlerbücher, für andere Publikationen und Ausstellungen öffnet er durch das Etablieren von immer wieder neuen Ordnungssystemen auch immer wieder neue Kontexte: Er weiß, dass eine Aufnahme je nach Kontext, den der Künstler für sich herstellt, einmal etwa fehlerhaft, witzig, ironisch aufgefasst werden kann, in einem anderen Kontext aber melancholisch, trostlos, nostalgisch erscheinen mag: „Jedes Ding hat zwei Seiten“, kommentiert Paul Albert Leitner diesen Zugriff aufs fotografische Material. Tatsächlich aber steht der Künstler jenseits dieser mit vordergründiger Naivität vorgetragenen Binsenweisheit mit seinem methodisch-strategischen Zugang hier in einer Tradition der Fotodokumentaristen, die spätestens seit den 1960er Jahren gegen das gerade im damaligen zeitgenössischen Kunstdiskurs überhöhte Einzelbild arbeiteten und diesem sehr bewusst durch kontextöffnende Strategien – wie etwa die Serie – die Variabilität der Sehweise entgegenstellten. Für die österreichische Kunst – bzw. Fotokünstlerszene ist das Werk von Paul Albert Leitner in diesem Zusammenhang [Bildserie, kontextöffnende Strategien] beispielhaft.“
aus: Maren Lübbke – Tidow, Chefredakteurin der Zeitschrift Camera Austria International, Text österreichischer Kunstpreis 2010 für Fotografie, Festschrift
