KINABAKU – PRIVATE PHOTOGRAPHY
01/09/2013
30/09/2013

FOTOGRAFIE

Galerie Rhomberg / Innsbruck
Clemens Rhomberg

Der japanische Fotograf Nobuyoshi Araki zählt seit den 1970er Jahren zu den bedeutendsten Lichtbildkünstlern der Welt.
In der Ausstellung „Kinbaku/Private Photography“ zeigt die Galerie Rhomberg eine Auswahl an Schwarzweiß- und Farbfotografien aus Arakis umfassendem Œuvre.

Kinbaku – fesselnde Schönheiten in Schwarzweiß

Fesselnd sind Arakis fotografische Werke wortwörtlich. Der japanische Begriff „Kinbaku“ bezeichnet die Kunst des Fesselns und Festbindens, vornehmlich im erotischen Sinne. Ihren Ursprung findet die Fesselkunst (auch „Hojo Jutsu“ genannt) im mittelalterlichen Japan. Die Fesseltechnik wurde zur Folterung und zum Transport von Gefangenen angewendet. Die Art der Fesselung hatte sich nach gesellschaftlichen Status des Gefangenen zu richten. Beispielsweise unterschied man zwischen dem Status eines gemeinen Bürgers und militärischen Kriegers (Samurai).
Die „Kinbaku-Serie“ hingegen zeigt keine Gefangenen, sondern schöne Frauen – einzigartig vom Künstler inszeniert – in anmutender, sinnlicher und provozierender Positur. Hanf- und Juteseile sind straff um den nackten, in spärlicher Strumpfspitze oder im Kimono bekleideten Körper gezogen. Araki ist dabei nicht als Misogyn zu verstehen, sondern vielmehr als Liebender. Der Fotograf sagt von sich selbst: „Die Frauen zu umschnüren läuft in einem gewissen Sinne darauf hinaus, sie zu umarmen, zu liebkosen.“

Der Voyeur hinter der Linse

Der Ausnahmekünstler will nicht nur die Ästhetik der Weiblichkeit und des voyeuristischen Moments einfangen. Araki sieht sich selbst als Dokumentarist und Aufklärer. Seit den 1970er Jahren lichtet der Fotograf jene Orte und Momente ab, die gesellschaftlich als unsittlich und anstößig gelten. Seine Farbfotografien „Bondages“ zeigen japanische Frauen, in den traditionellen Kimono gehüllt und arrangiert als wunderschöne, farbenfrohe und zugeschnürte Geishas. Mal liegend, sitzend oder bunt von der Decke hängend – Arakis Kunst trotzt Japans gesetzlichem Verbot Schamhaare zu zeigen. Der Künstler geriet nicht nur einmal in Konflikt mit Zensurpolitik und Polizei. Ganze Ausstellungen werden abgesagt. Die Publikation von Arakis Fotografien wird Verlagen verboten. Gleichsam wird er als Künstler mit Superstar-Status gefeiert.

 

Private Photgraphy & Flowers – Sinnbilder zu Leben und Tod

Die Anonymität und Hektik der Großstadt und der flüchtige Moment des Lebens zählen zu Arakis Hauptmotiven in der Serie „Private Photography“. Seine Landschaftsfotografien zeigen u.a. monumentale Großstadtarchitektur, im Moment des Stillstandes und doch auf seltsame Weise bewegt. Ebenso der kurze Blick in einen fast menschenleeren U-Bahnwagon; so flüchtig wie das Vorbeizischen der U-Bahn selbst.
Arakis Blumenbilder umfassen auf besondere und einzigartige Weise die Themen Liebe, Vergänglichkeit, Schönheit und Tod. Sie sind Metaphern für das naturbedingte Leben. Die Farbfotografien „Flowers“ zeigen farbenprächtige Blumenknospen und frisch erblühte exotische Pflanzen die geradezu den Schimmer des Lebens wie auch Geburt und Sexualität versinnbildlichen. Gegenüberstellend zeigt die Edition „Laments“ Schwarzweißfotografien von verblühenden und bereits welken Blumen die ihr Blütenköpfe sterbensfroh in Vasen mit trübem Wasser herab hängen lassen. Der Tod ist unausweichlich. Ebenso die Vergänglichkeit alles Lebenden und Schönen. Die Fotografie ist für Araki von Anfang an mit dem Tod verbunden. „Die Wirklichkeit ist farbig, aber die Fotografie hat in ihren Anfängen die Wirklichkeit immer entfärbt und schwarzweiß gemacht. Farbe ist Leben, Schwarzweiß ist Tod“, so der Künstler.

 

GEZEIGTE WERKE

WERKE