DESIGN STORIES
Mit der Ausstellung Design Stories präsentiert der Designer Patrick Rampelotto eine vielschichtige Werkschau, die zwischen Materialforschung, kulturellem Erbe und experimenteller Gestaltung oszilliert.
Die gezeigten Arbeiten stammen aus verschiedenen Serien, die durch ihren narrativen und zugleich forschenden Charakter verbunden sind.
Rampelottos Designansatz bewegt sich frei zwischen Kunst und Design, zwischen Improvisation und System, zwischen Poesie und Präzision.
Design Stories ist eine Ausstellung über Material, Erinnerung, Transformation – und über das Erzählen selbst. Rampelottos Arbeiten folgen keiner linearen Ordnung, sondern laden dazu ein, Muster zu entdecken, Bedeutungen zu hinterfragen und sich von Form, Kontext und Geschichte berühren zu lassen.
Patrick Rampelotto, 1978 in Sterzing geboren, schloss sein Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien unter der Leitung von Borek Sipek und Ross Lovegrove ab. Nachdem er für Eoos in Wien gearbeitet hatte, gründete er 2009 sein eigenes Studio „Ideas of Patrick Rampelotto“ und 2016 die Kollektivgalerie „Spazio Pulpo“.
2022 gründete er das Start-up PolyOkay GmbH, ein Unternehmen für nachhaltige Baumaterialien aus rezyklierten Plastik.
Patrick Rampelotto lebt und arbeitet in Wien.
ADVENTURES IN FOAM
Mit Adventures in Foam erforscht Rampelotto die gestalterischen Möglichkeiten von Polypropylen-Schaum – einem technischen Werkstoff mit außergewöhnlichen Eigenschaften. Inspiriert von Claude Lévi-Strauss’ Konzept des „Bricolage“ entwickelt er eine Serie experimenteller Objekte, darunter ein Sessel, eine Leuchte und ein dokumentarischer Film, der den Entstehungsprozess sichtbar macht.
Der Film kombiniert Zitate aus La pensée sauvage (Das wilde Denken, 1962) mit Aufnahmen aus dem Produktionsprozess. Das Material, ursprünglich für den Maschinen- und Fahrzeugbau konzipiert, wird bei 140 °C verarbeitet und formt sich innerhalb weniger Minuten zu stabilen, transluzenten Strukturen. Rampelotto nutzt diese Bedingungen, um gestalterische „Skizzen“ zu entwickeln, die – frei von marktbezogenen Zwängen – neue Wege im Design eröffnen.
POLYROCK – Fliesen aus recyceltem Kunststoff
Die Serie PolyRock steht für ein nachhaltiges, modulares Oberflächensystem aus recyceltem Plastik. Die Fliesen erfüllen nicht nur ästhetische und funktionale Anforderungen, sondern sind auch brandschutz-zertifiziert – ein entscheidender Faktor für die Anwendung im öffentlichen Raum.
Durch die Beimischung mineralischer Komponenten wird nicht nur das Brandverhalten verbessert, sondern auch die gestalterische Vielfalt erweitert. Eine Farbpalette entsteht durch die gezielte Zugabe von lediglich 2 % Neumaterial, während der Recyclinganteil bei 98 % verbleibt. PolyRock verbindet ökologische Verantwortung mit präzisem Design.
VITRAIL – Silikon als leuchtendes Ornament
Vitrail ist eine modulare Glasapplikation aus geformtem Silikon, die in ihrer schimmernden Erscheinung an die Glasmalereien alter Kirchen und Paläste erinnert. Doch Rampelottos Interpretation ist keine nostalgische Wiederholung, sondern eine Transformation in die Gegenwart.
Die einzelnen Module halten sich wie durch Magie selbstständig auf dem Glas und lassen sich zu immer neuen Kompositionen zusammensetzen. Vitrail ist ein lebendiges Kunstwerk – wandelbar, offen und spielerisch. Es lädt dazu ein, Räume temporär zu verändern, Geschichten durch Ornament zu erzählen und die Grenze zwischen Licht, Farbe und Form neu zu denken.
ATLANTIS– Der Teppich der versunkenen Erinnerungen
Der handgewebte Teppich Atlantis entfaltet mit goldenen Fäden, geschwungenen Linien und geheimnisvollen Reliefs eine ornamentale Bildsprache, die auf den ersten Blick abstrakt erscheint. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich ein verborgener Kosmos: die Silhouetten geschmolzener Pokale – Relikte einstiger Siege.
Wie ein archäologischer Fund erinnert Atlantis an vergangene Triumphe, die nun wie vergessen auf dem Meeresgrund liegen. Der Teppich macht diese Erzählung greifbar – buchstäblich unter unseren Füßen.
JOSEPHINE – Eine Architektur wird zur Tagesliege
Mit Josephine verwandelt Rampelotto ein visionäres Architekturprojekt von Adolf Loos in ein funktionales Möbelstück. Die ursprünglich für Josephine Baker entworfene, jedoch nie realisierte Villa dient als Vorlage für eine Chaiselongue im Miniaturformat.
Durch die spielerische Reduktion von Maßstab und Volumen wird aus einem utopischen Entwurf ein Ort für persönliche Träume – ein Möbelstück, das zum Verweilen und Weiterdenken einlädt.
DOLFI – Loos im Remix
Dolfi ist Rampelottos zeitgenössische Interpretation von Adolf Loos’ Knieschwimmer (1906). Während Loos sich seinerzeit vom britischen Easy Chair von William Birch inspirieren ließ, reduziert Rampelotto die Form auf ein abstrahiertes, fast skulpturales Maß.
Das Ergebnis ist ein radikaler Remix – eine Hommage an die Gestaltungsfreiheit der Moderne, die sich als offener Dialog zwischen Aneignung und Weiterentwicklung versteht.
POKAL-SERIE – Die Poesie des Banalen
In der Pokal-Serie findet Rampelotto das Rohmaterial seiner Skulpturen dort, wo andere nur Überbleibsel sehen: in ausrangierten Trophäen aus Hobbysport, Schönheitswettbewerben, Haustierausstellungen und Kleinkunstturnieren.
Diese standardisierten Objekte, einst Symbole individuellen Erfolgs, verwandelt er durch kreative Umnutzung in poetische Artefakte. Wie ein Pirat des Designs entdeckt Rampelotto im Banalen das Bedeutungsvolle – und im Weggeworfenen das Wertvolle.












