ZEICHNUNGEN IM DIALOG
02/02/2026
20/03/2026

Galerie Rhomberg / Innsbruck
Clemens Rhomberg
Die Vernissage der Ausstellung findet am Freitag, 30.01.2026 um 18 Uhr statt.
Zur Ausstellungseröffnung spricht Ao. Univ.-Prof. Dr. Markus Neuwirth

 

Die Zeichnung ist die höchste Disziplin der bildenden Kunst – ein direkter Draht zwischen Gedanken und Hand, bei dem Ideen sofort in Linien und Formen übersetzt werden.
Sie entstehen im Moment der Beobachtung, noch bevor Bedeutung festgeschrieben wird. Linie, Rhythmus und Auslassung genügen, um eine Haltung zur Welt sichtbar zu machen.
Sowohl George Grosz als auch Andy Warhol nutzten die Zeichnung als ein solches Instrument der Konzentration. Es ist überliefert, dass George Grosz und Andy Warhol einander kannten und dass Andy Warhol bei George Grosz Zeichenunterricht nahm.
Lange Zeit standen diese Arbeiten im Schatten ihrer bekannteren Gemälde, Drucke und ikonischen Bilder. Heute zeigt sich, dass gerade in den Zeichnungen ein präziser Blick auf das jeweilige Verständnis von Gesellschaft, Figur und Oberfläche angelegt ist.

Der Blick auf Gesellschaft und Typen: Beide Künstler zeichnen keine „Individuen“ im klassischen Sinn, sondern gesellschaftliche Figuren.
Grosz: Militärs, Prostituierte, Bourgeoisie, politische Typen, Typen, Stadtszenen
Warhol: Stars, Models, Freunde, anonyme Gesichter, Selbstbilder, Grafik und Werbung

Mit Grosz’ Namen werden vor allem seine der Neuen Sachlichkeit zugerechneten, sozial bzw. gesellschaftskritischen Gemälde und Zeichnungen in Verbindung gebracht, die sich durch zum Teil äußerst drastische Darstellungen und häufige politische Aussagen auszeichnen.
Typische Sujets Grosz’s sind die Großstadt, ihre Abseitigkeiten (Mord, Perversion, Gewalt) sowie die Klassengegensätze, die sich in ihr zeigen.

„Gerade die Zeichnung, das leiseste Medium der Kunst, ist ein Prüfstein wahrer Meisterschaft -und Andy Warhol (1928-1987) war ein Meister. Mit hoher handwerklicher Perfektion umriss er in wenigen Strichen das Typische einer Situation, eines Gegenstandes oder eines Gesichts und kommentierte oft karikaturhaft das Alltags- wie das kulturelle Leben, das er aufmerksam beobachtete.“

Aus dem Ausstellungskatalog Kunstmuseum Basel zur Ausstellung 1998:
Andy Warhol, Zeichnungen 1942-1987

„Abgesehen von einer langen Unterbrechung zwischen ungefähr 1963 und 1972 zeichnete Andy
Warhol regelmäßig sein ganzes Leben lang.
Die Zeichnung ist das einzige Medium, mit dem er sich von seiner frühesten Zeit als Kunststudent in den vierziger Jahren bis in den letzten Wochen vor seinem Tod 1987 beschäftigte. Auch wenn es oft anders schien und behauptet wurde – Warhol war ein Künstler, der auf allen Gebieten außerordentlich viel und produktiv arbeitete, und obwohl er viele Zeichnungen verkaufte, behielt er viele seiner Blätter und Skizzenbücher in der eignen Sammlung.
…Sie wurde vielmehr zu einer einsamen Beschäftigung, oft sonntags geführt, wenn es im Studio ruhig war…“

Aus dem Ausstellungskatalog Kunstmuseum Basel zur Ausstellung 1998:
Andy Warhol, Zeichnungen 1942-1987
Einfache Schönheit: Andy Warhols Zeichnungen – eine Einführung von Mark Francis

 

Diese Ausstellung zeigt, dass Zeichnung bei Grosz (aus dem Zeitraum 1912 – 1940) und Warhol (aus dem Zeitraum von 1950 – 1980) weit mehr ist als eine Vorstufe zu Gemälden oder Drucken:
Sie ist ein eigenständiges Medium, mit dem beide Künstler Gesellschaft, Figuren und ihre eigene Sicht auf die Welt präzise festhalten.
Zum ersten Mal werden ihre Arbeiten in Beziehung gesetzt, um sichtbar zu machen, wie sie – unabhängig voneinander – ähnliche Methoden der Beobachtung, Analyse und Gestaltung entwickelt haben.
So eröffnet die Ausstellung einen neuen Blick auf zwei bedeutende Zeichner, deren Lehrer-Schüler-Verhältnis bisher kaum kunsthistorisch untersucht wurde.

 

 

Andy Warhol, Alfred Hitchcock,1983,Graphit auf HMP Papier, 80,9×60,3cm
©Andy Warhol Foundation for the Visual Arts

GEZEIGTE WERKE