Narratives / Maria Bussmann / Sevda Chkoutova / Franz Mölk / Michael Ziegler
Maria Bussmann
Sevda Chkoutova
Franz Mölk
Michael Ziegler
Vier Künstler, zwei Künstlerinnen und zwei Künstler, die alle der mittleren Generation angehören, eine politisch korrekte Mischung also, werden in dieser Ausstellung vor allem mit Zeichnungen vorgestellt.
Maria Bussmann, die eigentlich als Zeichnerin philosophisch sensibler Diskurse bekannt wurde, zeigt hier kleine farbige Papierskulpturen,
zumeist Reliefs, die an der Wand befestigt werden.
Der englische Begriff „Narratives“ definiert prägnanter als der deutsche „Erzählerisches“ eine deutlich registrierbare Tendenz der zeitgenössischen bildenden Kunst, vor allem in der Malerei, von Peter Doig über Neo Rauch bis hin zu Luc Tuymans, in der Erzählungen im bildnerischen Medium und nur durch dieses vermittelt werden, die jedoch sich nicht in etwas Literarisches überführen lassen.
Es handelt sich nicht um Illustrationen von Texten. Dazu fehlt diesen Werken die Eindeutigkeit einer Botschaft, einer präzise beschreibbaren Geschichte.
Alle Künstler gehen von unterschiedlichen biografischen und kulturellen Erfahrungen aus. Auch ihre stilistischen Ansätze sind unterschiedlich. Sie reichen von der altmeisterlichen Zeichensprache Franz Mölks zur komplexen Ikonographie Michael Zieglers, für den die Bilder aus der Kunstgeschichte ebenso wichtig sind wie Motive aus Filmen oder literarischen Texten, zu den großen, wandfüllenden Zeichnungen Sevda Chkoutovas. Ihr Realismus und der illustrierende Stil, vor allem auch die Größe dokumentieren ihre Verbindung zu ihrer bulgarischen Vergangenheit, die Kenntnis der politischen Propagandakunst. Freilich, die politischen Botschaften werden hier durch private, gigantisch vergrößerte Snapshots ersetzt.
Maria Bussmann hat in letzter Zeit farbige Miniaturlandschaften aus Papier geschaffen, die aus der romantischen Sehnsucht nach der europäischen Gebirgslandschaft zuerst in Amerika, fern ihrer zweiten Heimat, Ausdruck gefunden haben.
In allen diesen Arbeiten spielen private Bildarchive eine Rolle.
Die Künstler sind (vielleicht manche nur im Kopf) Bildersammler, Bilder, die in der Vorstellung schlummern, um dann später in einem neuen Bild zusammengesetzt und reaktiviert zu werden. Bei Michael Ziegler lassen sich diese unterschiedlichen ikonographischen Quellen aber auch die Erotisierung und Sexualisierung alltäglicher Vorgänge verfolgen, wobei
er unterschiedlichste Techniken des Zeichnens einsetzt und die tagtraumartigen, kleinformatigen Zeichnungen oft auch in Variationen oder Überarbeitungen vorlegt.
Sevda Chkoutova, die offensichtlich von einer realistisch fotografierten Vorlage ausgeht, privaten Erinnerungsbildern, oft erotisch ambivalente Beziehungen von Personen festhaltend, überführt durch die Dimension und die zeichnerische Virtuosität das Private ins Plakative, ein Zustand, auf den die Künstlerin hindeutet, der aber instabil ist, als ob er kurz davor wäre, wieder zu verschwinden.
In Franz Mölks Bildern kommt es zu gesellschaftlichen, vielleicht besser geselligen Szenen einer Jeunesse dorée von tanzenden und trinkenden, musizierenden und sich berührenden Paaren, die wie in den großen Tableaus eines Tintoretto oder Veronese aus einer Zeit auftauchen, die sich nicht bestimmen lässt. Zeichnerisch und ikonographisch spiegelt Mölks Kunst eine zurückliegende Periode.
Maria Bussmanns Miniaturlandschaften, Berge mit Wasserfällen und Seen bilden nicht konkret feststellbare, topographisch präzise Landschaftsausschnitte ab. Sie sind jedoch einer bestimmten alpinen Typologie verpflichtet, romantische Gegenden, die eine sehnsuchtsvolle Vorstellung sich erträumt. Was Bussmann jenseits der evokativen Qualität interessiert, ist die Überführung des Zweidimensionalen in eine dreidimensionale, spielzeugartige Form.
– Peter Weiermair
