Jakob Kirchmayr
Die Arbeiten von Jakob Kirchmayr beschäftigen sich vor allem mit dem Menschen und seiner Umwelt. Dabei verzichtet er auf eine realistische Darstellungsweise, sondern kreiert Szenen die auf gesellschaftlichen Zusammenhängen basieren.
Auch die neuen Werke des Künstlers zeigen eine Aufarbeitung von literarischen Einflüssen.
Die kleinen Zeichnungen, die vor allem Portraits aber auch Orte und Gegenstände zeigen, tragen den Titel „the dead do not need aspirin or sorow, I suppose“ (2017). Auf den ersten Blick erinnern die Arbeiten an kleine Fotografien von geliebten Menschen oder Orten, die man in Portemonnaies vieler Leute finden würde. Aneinandergereiht wirken die Abbildungen jedoch wie Fundstücke, wie verlorene Erinnerungen. Gleichzeitig ist man an eine Pinnwand mit Fotos von vermissten Personen erinnert, was der Arbeit einen dokumentarischen Charakter verleiht. Diese sehr kleinen, in Farbgebung und Form reduzierten Zeichnungen, sind in Ergänzung zu dem monumentalen Triptychon „sunset in Kobane“ (2015) entstanden, beeinflusst durch die verheerenden Umstände in Syrien und der daraus entstandenen Flüchtlingskrise. Der Titel lässt anklingen, dass die abgebildeten Personen nicht mehr leben, vielleicht sogar in Vergessenheit geraten sind.
Auch der Titel der Ausstellung basiert auf eine Arbeit von Jakob Kirchmayr, die ebenso die Flüchtlingsthematik aufzugreifen scheint. Drei fuchsartige Gestalten stehen dem Betrachter entgegen, hinter ihnen ein Zaun, der ganz klar in weißer Farbe hervorsticht. Die Figuren selber stechen durch die schwarze und rote Farbe hervor. Im Zusammenhang mit dem Titel „border“ kommt unweigerlich die Frage auf: Steht man auf der „richtigen“, „guten“, „rettenden“ Seite des Zauns?
„Jakob Kirchmayr ist in seiner Bildsprache nie plakativ oder eindeutig, vieles bleibt in der Schwebe, er lässt figurative Elemente fließend in abstrakte übergehen, spielt mit Bedeutungsebenen.
Seine Bilder entstehen ohne Vorzeichnung, direkt auf dem Papier – ohne fotografische Vorlagen oder sonstige Hilfsmittel. Ein Weltentwurf jenseits unserer virtuellen Medienrealität. Ein zeichnerisches Werk, das in seiner selbstbewussten Lockerheit und Könnerschaft eine ungewöhnliche Kraft und Frische entfalten kann. Kirchmayr provoziert und irritiert, er biedert sich nicht an und fordert viel vom Betrachter. Doch dieser wird reich dafür belohnt.“
– Günther Oberhollenzer (Kurator Landesgalerie Niederösterreich)

